Erleichterungen bei der Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen – der große Wurf bleibt leider aus.

Weil Startups marktübliche Gehälter häufig nicht zahlen können, wollen oder müssen Sie ihren Mitarbeitern möglichst günstig eine Beteiligung am Wertzuwachs des Unternehmens gewähren, um für Talente attraktiv zu sein. Durch eine echte Gesellschaftsbeteiligung ging das jedoch bisher häufig nicht, denn die Gewährung echter Anteile unter dem Verkehrswert stellt (Sach-)Arbeitslohn dar, auf den Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen sind. Das Stichwort hierfür ist dry income, weil der Mitarbeiter kein Einkommen in Geld erhält, sondern eine Sachleistung und somit die Steuer aus seinem – meist nicht vorhandenen – Privatvermögen zahlen müsste. Durch diesen Nachteil blieb den Mitarbeitern ein großer Vorteil echter Beteiligungen verwehrt: Künftige Wertsteigerungen sind steuerlich privilegiert und werden – je nach Holding-Struktur – mit ca. 2 % oder ca. 30 % besteuert.

Um das dry income zu vermeiden, erhielten Mitarbeiter bisher meist virtuelle Beteiligungen. Das hat jedoch den Nachteil, dass auch der zukünftige Wertzuwachs im Fall des Exits voll der Lohnsteuer unterfällt – also nicht die ca. 2 % oder 30 % sind fällig, sondern 42 % bis 45 %.

Ab 1. Juli 2021 bessert ein neues Gesetz hier nach. Das dry income soll jetzt nicht in dem Zeitpunkt versteuert werden, in dem der Mitarbeiter die Anteile erhält (also im Zeitpunkt des Zuflusses), sondern wenn er die Anteile veräußert und er tatsächlich Geld auf dem Konto hat, um seine Steuern zu bezahlen (also bei Exit).

ABER: Es gibt – wie könnte es anders sein – leider Ausnahmen. Das dry income und die Pflicht zur Steuerzahlung entstehen zum einen auch dann, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen vor dem Exit verlässt. Zum anderen wird die Steuer spätestens zwölf Jahre nach Anteilsgewährung fällig. Es bleibt also das erhebliche Risiko, dass der Mitarbeiter irgendwann Steuern zahlen muss, ohne das hierfür notwendige Geld auf dem Konto zu haben.

Wegen dieser erheblichen Risiken bleibt abzuwarten, ob die Neuregelung in der Praxis eine große Rolle spielen wird. Wenn die Unternehmensbewertung (und damit auch die potentielle Steuerlast) jedoch noch niedrig ist, kann es im Einzelfall jedoch durchaus Sinn machen, die Neuregelung zu nutzen.

Der große Wurf, um Mitarbeiterbeteiligungen an Startups auch in der Breite attraktiver zu machen, ist die Neuregelung jedoch leider nicht.